Artgerechte Meerschweinchenhaltung
Da ich ja nun mit meinem gebrochenen Knöchel schön die Couch hüte und den Fuß hochlege, habe ich mir mal endlich die Zeit genommen, das Buch von Ruth Morgenegg, Artgerechte Haltung – ein Grundrecht auch für Meerschweinchen, das ich schon ewig zu Hause herumliegen habe, zu lesen. Also zumindest habe ich damit angefangen. Bisher muss ich aber leider sagen, dass für mich noch wenig neues dabei ist und ich manche Punkte echt grenzwertig finde.
Beispielsweise stellt sie die Vorderung auf, dass Tiere allgemein und eben auch Meerschweinchen, teuer sein müssen, damit die Halter sie zu schätzen wissen und “spontane” Käufe unterbunden werden. Auch kostenlose Abgabe sei nicht gut zu heißen. Ich gebe ihr soweit Recht, als dass das natürlich tatsächlich dazu führen kann, dass sich Leute zweimal oder auch mehrmals überlegen, ob sie wirklich bereit sind das Geld auszugeben und es nicht einfach leichtfertig tun, weil es ja so billig ist und danach dann aber doch kein Interesse mehr haben oder das Meerschweinchen (oder auch jedes andere Tier) schlecht behandeln und verkommen lassen. Aber irgendwie verkommt mir erstens das Meerschweinchen dabei zu sehr zur Sache, für die ich Geld bezahlen muss und die mir nur dadurch am Herzen liegt. Und zweitens glaube ich nicht, dass das das Problem beheben könnte. Menschen, die Tiere schlecht behandeln, tun dies nicht weniger, nur weil sie viel Geld bezahlt haben. Das kann ich mir kaum vorstellen. Es hält vielleicht Eltern eher davon ab ihren Kindern leichtfertig Tiere zu kaufen, wenn diese recht teuer sind. Aber ich glaube nicht, dass es allgemein zum Wohle der Tiere beitragen könnte.
Ich glaube viel mehr, dass es einfach eine Grundeinstellung jedes Menschen ist. Ich habe meine Schweinchen beispielsweise kostenlos von unseren damaligen Nachbarn erhalten. Dadurch sind mir aber die Tierchen nicht weniger Wert, als wenn ich hunderte von Euro ausgegeben hätte. Für mich ist es einfach von Grund auf selbstverständlich, dass ich mich um ein Lebewesen, egal was es ist, für das mir die Verantwortung übertragen worden ist, diese auch übernehme und mich bestmöglich darum kümmere. Wenn man eine emotionale Bindung zu den Schweinchen aufgebaut hat, dann wird man sie lieben und versuchen ihnen das beste zu geben, was geht. Egal ob man jetzt viel Geld in die Anschaffung investiert hat oder nicht. Wenn Menschen mit dem Ansatz daran gehen, dass sie sich um das Tier nun gut kümmern werden, weil sie viel Geld dafür ausgegeben haben, sind sie schon die Falschen.
Auch die Tatsache, dass Frau Morgenegg ständig sagt, dass es quasi unerlässlich ist, Böckchen zu kastrieren, stört mich ein wenig. Natürlich stimme ich vollkommen zu, dass man es nicht zulassen darf, dass sich die Meerschweinchen unkontrolliert vermehren. Das führt nämlich erstens zu noch mehr Meerschweinchen, die gut untergebracht werden müssen, und zweitens oft zu Inzucht. In der freien Natur haben die Meerschweinchen viel Platz und die jungen Böckchen verlassen sehr schnell ihre Sippe und suchen sich eine eigene oder sterben. Dadurch wird verhindert, dass entweder die Mutter oder die Schwestern von den Böckchen begattet werden. Die Meerschweinchen machen hier nämlich keinen Unterschied und werden zudem äußerst schnell geschlechtsreif. Böckchen können bereits mit wenigen Wochen bzw. wohl so ab einem Gewicht von 250 – 300g zeugungsfähig und Weibchen sogar noch früher, werden. Bleibt die Familie also einfach so zusammen, kann es dazu kommen, dass sich die Geschwister untereinander und auch die Eltern mit ihren Nachkommen paaren. Das führt zu schlimmen Erbfehlern, Missbildungen und Totgeburten.
Auch wenn man ein Böckchen mit mehreren Weibchen hält, sollte man das Böckchen kastrieren, damit eben nicht unkontrolliert mehr Schweinchen entstehen.
Allerdings ist es laut Aussage von Ruth Morgenegg auch in jedem Fall unerlässlich, Männchen in reinen Bock-Gruppen zu kastrieren, da es sonst zu schlimmen Kämpfen kommt und die Schweine sich nicht verstehen. Das wiederum verstehe ich nicht so ganz. Erstens habe ich andere Erfahrung mit meinen Beiden gemacht, die unkastriert sind und sich eigentlich immer schon gut verstanden haben. Zweitens wiederspricht sie sich in einem Absatz selbst. Sie sagt, dass die Kastration nur die Zeugungsfähigkeit unterbindet, alle anderen Verhaltensweisen aber gleich bleiben. Im nächsten Satz allerdings sagt sie, dass Meinungsverschiedenheiten zwischen Kastraten immer weniger heftig sind, als zwischen unkastrierten Böcken. Das will mir nicht ganz eingehen. Allerdings kenne ich mich hierbei aber auch zu wenig aus. Ich weiß ganz ehrlich nicht, wie sich das auswirkt und was die beste Entscheidung ist. Ich werde diese Frage wohl mal in der Meerschweinchen-Liste stellen, mal sehen was die erfahrenen Meerschweinchen-Halter dazu sagen.
Ein Aspekt ist natürlich zu bedenken. Ruth Morgenegg spricht auch das Problem an, das man hat, wenn eines der Böckchen stirbt. Ich habe mir darüber auch schon Gedanken gemacht, was passiert, wenn einer meiner süßen Schweinchen von uns geht. Ich hoffe natürlich, dass das noch nicht zu bald passiert, bisher sind die beiden ja auch pumperl gesund, aber immerhin sind sie auch schon über vier Jahre alt… Mit Kastraten könnte man Weibchen dazu setzen. So muss ich mich dann ganz genau erkundigen, was für ein Tier (also welches Geschlecht, wie alt, kastriert oder unkastriert) man am problemlosesten dann dazu nehmen kann. Ich hoffe, dass mir das aber noch lange erspart bleibt…
Nun ja, soweit dazu, was ich bisher gelesen habe. Allgemein muss ich aber sagen, dass es auf jeden Fall ein gutes Buch ist. Gerade für Meerschweinchen-Freunde, die noch nicht so viel Erfahrung haben, ist es sicherlich sehr informativ und hilfreich. Ich bin gespannt, wenn ich zu dem Teil komme, in dem es um die Haltung und Gestaltung des Geheges geht. Da kann ich mir sicherlich noch viel Anregung holen. Auch zur Ernährung kann ich bestimmt noch einiges lernen. Gerade bei der Gabe von Zweigen und so bin ich mir oft noch unsicher, was man wie füttern darf. Ich bin mal gespannt



Kommentar von Susi
20.05.2009 @ 21:35
So von Meerschweinexperten zu Meerschweinexperten:
Mit noch höheren Schutzgebühren gebe ich Dir recht, das bringt wenig, wobei verschenken eben die Gefahr von Schlangenfutter erhöht – gerade weil viele Leute die ihre Tiere verschenke die einfach nur schnell los werden wollen und sich gar nicht groß die Mühe machen genauer nachzufragen. geschweige denn, die Tiere in ihr neues Zuhause zu bringen um zu sehen, ob da alles ok ist.
Aber wegen der Kastration: das ist ne Typfrage. zwei Böcke verstehn sich oft auch ohne ein Leben lang recht gut, sollen es aber mehr als zwei werden wird es haarig. Und nicht jeder Bock ist für eine Bockgruppe geschaffen – manche zeigen eben erst in der Pubertät, dass sie nicht wirklich für Bockgruppen geeignet sind, sondern viel lieber die Damenwelt beglücken würden – und mobben ihren Kollegen nach Strich und Faden. Es freut mich, dass Du da Glück hattest, aber drauf verlassen kann man sich eben nicht.
Und für manche Böcke ist die Kastration eben die letzte Chance, um friedlich zusammen zu leben. Oft reißen sie sich danach zusammen – eine freundn hat es mal so ausgedrückt, das Böcke bei denen es vor der kastra öfter Wunden gab danach eben nur noch mit Holzschwertern aufeinander los gehen.
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Hallo Susi,
vielen Dank für deinen Kommentar
Na wenn ich mir deine HP so ansehe, dann bist du wohl eher der Meerschweinchenexperte als ich
Aber ich gebe dir trotzdem natürlich Recht. Ich habe mich mit anderen Haltern unterhalten und dabei auch immer herausgehört, dass man Glück haben kann mit den Böckchen, so wie ich, dass sie sich ihr Leben lang gut verstehen. Es kann aber genauso gut schief gehen und sie fangen ab einem gewissen Punkt an sich nur noch zu raufen. Klar ist das bei einer größeren Gruppe von Böcken noch gefährlicher. Mir geht es nur immer darum: Ich bin generell kein Freund von OPs (da hab ich selbst schon immer schiss genug…) und versuche daher jede “unnötige” OP zu vermeiden. Vor allem da ich, beispielsweise in der Meerschweinchen-Liste, mitbekommen habe, wieviel da schief gehen kann und wie oft Schweine aus der Narkose nicht mehr erwachen oder sonst etwas. Deshalb würde ich, wenn ich jetzt nochmal Schweine bekäme (oder mal eins dazuholen muss), wohl abzuwarten und erst kastrieren, wenns nicht mehr geht. Aber natürlich muss man auch auf das Alter der Böcke achten. Es ist eben alles nicht so einfach und muss auch individuell entschieden werden. Ich kann auch bislang nur aus meiner Erfahrung mit meinen beiden Schweinchen sprechen. Du hast da sicherlich viel mehr Erfahrung.
Genauso die Geschichte mit den Schutzgeldern. Auf der einen Seite ist es natürlich gut, dass nicht jeder einfach umsonst Tierchen bekommt, um sie beispielsweise seiner Schlange zu verfüttern oder irgendwo verwarlosen zu lassen. Andererseits wird jemand, dem seine Schlange viel Wert ist und er ihr einen besonderen Leckerbissen gönnen möchte, vielleicht auch ein Schwein kaufen, wenns teuerer ist… Aber darüber möcht ich gar nicht nachdenken. Fakt ist auf jeden Fall, dass man den Wert eines Tieres nicht am Preis festmachen sollte, sondern sich emotional verantwortlich fühlen muss. Dann behandelt man das Lebewesen auch automatisch so, wie es sein sollte. Aber dass das nicht allen Menschen auf der Welt gelingt muss man leider tagtäglich miterleben/hören.
Liebe Grüße,
Dani